Montag 1. November 2004, 08:50 Uhr

Ä bissel Arzgebirg` in Akron - «Weihnachtswunsch» erfüllt: ab 27. November erster Weihnachtsmarkt in amerikanischer Partnerstadt

Chemnitz (ddp-lsc). Vorbereitungen für typisch erzgebirgische Weihnachtsmärkte werden in diesen Wochen nicht nur zwischen Altenberg und Zwickau getroffen. Auch im fernen Akron im US-amerikanischen Bundesstaat Ohio wird fleißig gezimmert und gestrichen, damit pünktlich vor dem ersten Advent am 27. November ein Markt nach deutschem Vorbild eröffnet werden kann. Anders als hier zu Lande dauert er sogar bis Silvester.

«Wir nehmen eine Mandelbrennerei, Posamenten- und Effektenhersteller, Holzkunst wie Nußknacker, Räuchermänner, Pyramiden, Schwibbögen und Spieluhren, Plauener Spitze, Tischdecken und Spielwaren mit», erzählt Angela Schumann von der Chemnitzer Werbeagentur saxpress GmbH, die mit der Ausrichtung des Marktes beauftragt wurde. Ein Glasbläser fertige Christbaumschmuck vor den Augen der Besucher; auch Glühwein und Bier würden ausgeschenkt. Zur Eröffnung sorge ein Bergmannszug für das typische Flair eines erzgebirgischen Weihnachtsmarktes. An jedem Adventswochenende würden zudem Künstler und Sportler das Programmangebot bereichern. So könnten Läufer des Chemnitzer Eislaufvereins ihr Können auf einer zum Weihnachtsmarkt gehörenden Eisfläche vorführen. Mit dabei seien auch der Folklore Modern Dance Club und eine Brass-Band aus Chemnitz. Der Weihnachtsmarkt war ein ausdrücklicher Wunsch der Verwaltung von Akron seit dem Abschluss des Städtepartnerschaftsvertrages mit Chemnitz im Jahre 1997. Die Amerikaner hatten das vorweihnachtliche Treiben rund um das Chemnitzer Rathaus gesehen und für «typical» befunden. Nach Vor-Ort-Gesprächen wurde in diesem Sommer ein Vertrag zwischen den Stadtverwaltungen und der Agentur geschlossen. Als erstes gingen danach Baupläne übern Atlantik, denn ortsansässige Tischler fertigen zehn Markthütten nach Chemnitzer Vorlage.

«In der Region südlich des Eriesees gibt es nichts Vergleichbares», hat sich Dietmar Gottwald vom Bürgermeisteramt Chemnitz selbst überzeugt. In der Region um Akron mit einem ähnlichen Klima wie in Mitteleuropa und einem großen Anteil deutschstämmiger Bevölkerung werde «Weihnachten wie bei uns» gefeiert. Außerdem lebten dort zahlreiche ehemals in Deutschland stationierte US-Soldaten, die diese Tradition kennen und lieben gelernt hätten.

Der Weihnachtsmarkt sei eingebunden in ein Konzept zur Belebung der Innenstadt von Akron, wo die Menschen im Zuge der Industrialisierung - geprägt unter anderem vom Reifenkonzern Goodyear - an den Rand zogen. Der Platz befinde sich in einem gut frequentierten Park, der nach der Einstellung des Schiffsverkehrs auf dem Kanal von Cleveland nach Canton auf dem Gelände einer ehemaligen Schleuse angelegt wurde. Laut Gottwald soll der Markt zu einer wiederkehrenden Veranstaltung mit Produkten aus Sachsen werden. Nächstes Jahr seien schon 20 Hütten geplant.

Für die kurze Zeit der Vorbereitung ist Angela Schumann mit dem Erreichten zufrieden, zumal der größte Teil der Kosten von den Teilnehmern selbst getragen werden muss. «Die Erwartungshaltung der Amerikaner ist groß, aber ich bin sicher, dass es ein Erfolg wird», sagt die Organisatorin. Am schwierigsten sei es, Lebensmittel einzuführen. Für die Bratwürste beispielsweise dürfe der Fleischer nur seine speziellen Gewürze mitnehmen.

Die Erzgebirgische Backwaren GmbH Annaberg-Buchholz verschickt Stollen an private Kunden in aller Welt, doch Akron ist ihr erster Weihnachtsmarkt in den USA. Marketingleiterin Karina Friedel hat den zwar nicht teuren, aber extrem zeitaufwändigen Papierkram für den Stollenversand hinter sich: «Wegen der Vorkehrungen gegen Bioterrorismus müssen zahlreiche Scheine ausgefüllt und Nummern eingeholt werden. Jetzt ist das Gebäck per Schiff unterwegs.» Mit 2000 Stück habe sie «etwas ins Leere» geplant. Wenn es gut läuft, ist sie im nächsten Jahr wieder mit dabei. (www.chemnitz.de; www.saxpress.de)

Quelle: Yahoo Suchmaschine 01.11.2004